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Autor
Reitter, Karl


Verlag
mandelbaum-Verlag
Erscheinungsjahr
2012
Titel
Bedingungsloses Grundeinkommen
Zusammenfassung
Mal ehrlich – wenn Sie morgens zur Arbeit fahren, weshalb tun Sie das eigentlich? Allein wegen des Geldes? Oder doch eher selbstbestimmt, aus innerem Antrieb? Wie auch immer die Antwort lautet - das bedingungslose Grundeinkommen wäre vielleicht eine verlockende Alternative. Denn es verspricht ein halbwegs auskömmliches Leben ohne den Zwang zur Erwerbsarbeit. Kann das wirklich funktionieren, und würde dann überhaupt noch jemand zur Arbeit gehen? Mit diesen Fragen hat sich jüngst der Österreicher Karl Reitter auseinandergesetzt. Sein kleines Buch zu diesem durchaus großen Thema ist nun in der Edition kritik und utopie des mandelbaum-Verlages erschienen. Und es bietet allerhand Bedenkenswertes.
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Beitrag
Die Idee ist eigentlich nicht neu. Schon in den 1960er Jahren gab es in den USA langjährige Experimente zum bedingungslosen Grundeinkommen. Auch Namibia, Indien und Kanada sammelten eigene Erfahrungen. Wohlmeinende Versuche, auf kleine Regionen und Bevölkerungsgruppen beschränkt, die kaum Beachtung fanden. Dabei ist der Kerngedanke deutlich weitreichender.

Es geht darum, ein existenzsicherndes und garantiertes Einkommen für jeden zu gewährleisten. Bezahlt vom Staat an alle Bewohner eines Landes, ohne wenn und aber. Natürlich gibt es weiterhin die klassische Erwerbsarbeit. Andere Transferleistungen, wie Sozial- oder Arbeitslosenhilfe, entfallen jedoch.
In der politischen Debatte ist das Grundeinkommen nirgendwo verankert, weder rechts noch links zu verorten. Lange Zeit führte es ein Schattendasein; erst die Finanzkrise gab der Diskussion wieder Auftrieb. Aber: Jeden Monat rund 1000 Euro einfach so aufs Konto - ist das nicht eine völlige Entwertung von Arbeit?

“Wer [also] behauptet, mit dem Grundeinkommen würde der nicht offiziell werktätige Sektor alimentiert, muss sich auch dem umgekehrten Argument stellen: Der Erwerbssektor beruht nicht zuletzt auf der Arbeit in allen anderen Bereichen der Gesellschaft, die von ihm weder voll erfasst, noch reproduziert werden können.“ [S. 70]

Im Klartext: Erwerbsarbeit braucht einen gesellschaftlichen Rahmen, in dem sie stattfindet. Dieser Rahmen wird durch viele nicht vergütete Leistungen erschaffen und erhalten. Hausarbeit, ehrenamtliches Engagement oder Erziehungsarbeit – der Katalog ist lang. Ein Grundeinkommen lässt diese Leistungen gleichwertig neben der Erwerbsarbeit bestehen. Aber würde nicht das Grundeinkommen als willkommene Rechtfertigung dienen, das allgemeine Lohnniveau zu drücken? Nein, stellt Reitter klar, stattdessen verbessert es die Verhandlungsposition des Einzelnen. Und welche Alternative der Kapitalismus in seiner heutigen Form bietet, daran lässt er keinen Zweifel.

„Wir verfügen über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte Erfahrung mit dieser Logik. Es läuft immer auf die Durchsetzung der Interessen des Kapitals hinaus. [...]Wir kennen das Ergebnis, wir erfahren es tagtäglich in unserem Alltag: mehr arbeiten für weniger Geld zu schlechteren sozialen Bedingungen. Exakt das sind aktuell die Voraussetzungen für die Nachfrage nach Arbeitskräften. Was wir immer auch über die RepräsentantInnen und VertreterInnen des Kapitals denken, eines dürfen wir ihnen zutrauen: das Wissen um die aktuellen Erfordernisse der Gewinn- und Profitmaximierung.“ [S. 79]

Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde den gesellschaftlichen Rahmen verschieben. Ob das der Grund ist, warum es in noch keinem Land Wirklichkeit geworden ist, lässt Reitter offen. Immerhin wurde in Brasilien schon vor acht Jahren ein Gesetz beschlossen, dass die Einführung des Grundeinkommens zum Ziel hat. Bislang blieb es allerdings dabei, die Umsetzung lässt auf sich warten. Dabei sind die Kosten eines bedingungslosen Grundeinkommens nach heutigen Maßstäben vergleichsweise gering. Gerade mal ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes müsse umverteilt werden, in Deutschland also rund 800 Milliarden Euro. An solche Zahlen hat man sich mittlerweile ja gewöhnt.

Ein kurzer, prägnanter und bedenkenswerter Text. Noch einmal der Titel:
Karl Reitter: „Bedingungsloses Grundeinkommen“. Erschienen beim Mandelbaum-Verlag 2012, 104 Seiten, für 10,00 Euro.


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23.08.2013

 

Das Feature zum Thema:

Künstlich. Intelligent. Klug? Aufbruch in die smarte Gesellschaft

lief am 28.7.2013 in Länge Sieben beim Saarländischen Rundfunk (SR2). Näheres siehe unter

www.sr-online.de

Ein Nachhören der Sendung ist dort möglich!

 

Das Feature zum Thema:

Jenseits von Markt und Staat - Begegnungen in der Allmende

lief am 4.9.2012 um 19.15h beim Deutschlandfunk. Näheres siehe unter

www.dradio.de

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